Homepage der Baumfreunde Emmerich
Pappelallee in der Hetter

Bäume in öffentlicher Hand

Die wunderschöne "große Buche" am "Großen Wall" in Emmerich. Foto: Rüdiger Helmich

Es gibt in Emmerich doch noch Leute, die für "ihre Bäume" kämpfen!

Wie den Emmerichern bekannt ist, wird ja für die hiesige Polizei ein neues Domizil errichtet. Auserkoren hat man dazu einen Standort am "Großen Wall". Das ist auch sehr zentral gelegen und sicherlich ein gut gewählter Ort.

Nun steht aber grade dort, wo die Einfahrt für die Polizeifahrzeuge geplant ist, eine große, wunderschöne Buche. Hier muss nun, um das Wurzelwerk des Baumes nicht zu zerstören, was für den Baum ganz schlimm wäre, ein Weg gefunden werden, die Einfahrt so zu realisieren, dass gleichzeitig die dicht unter der Oberfläche sich befindlichen Wurzeln nicht in Mitleidenschaft gezogen werden.

Der bisherige Grundstückseigentümer hat sich ausbedungen, dass die Baumaßnahmen in dem Wurzelbereich der Buche so ausgeführt werden, dass eben keine Wurzeln beschädigt werden.

Nun ist zu hoffen, dass dem Architekten und den ausführenden Handwerkern, einschließlich dem Gärtner, eine Methode einfällt, die dieses Problem lösen kann.

Die Baumfreunde sind gespannt, auf welche Art und Weise hier verfahren werden wird.

Auf jeden Fall ist es für das innerstädtische Klima von größter Bedeutung, wenn dieser große Baum erhalten wird. Bekanntlich wird ja das sich in Arbeit befindliche "Klima-Konzept" der Stadt Emmerich belegen, dass es in der Stadtmitte viel zu wenig "Grün" gibt. Die Leute, die mit der Erstellung dieses Konzepts befasst sind, haben nämlich schon durchblicken lassen, dass Emmerich extrem wenig Grün im Zentrum aufweist.

Die erste Sichtachse, wo viele schöne Buchen unnötigerweise gefällt wurden. Foto: Rüdiger Helmich

Sichtachse am Eltenberg 1.

Mitte Februar 2016 hat man damit begonnen, die sogenannten "Sichtachsen" am Eltenberg freizuschneiden. Im Zuge der Umsetzung im Zusammengang mit dem "Masterplan Hochelten" wurden hinter der Vitus-Kirche drei Schneisen von je ca. 20 m Breite in den Baumbestand des Eltenberges geschnitten, damit die sogenannten "historischen Sichtachsen" wieder aufleben.

Die erste Sichtachse erreicht man sofort, vom Parkplatz kommend, an der Mauer des Friedhofes der St. Vitus-Kirche links abbiegend. Die Waldschneise tut sich dort sofort auf.

Schaut man nun in Richtung Emmerich, sieht man von Emmerich, wie es auf der Karte der zweiten Ausgabe der Projektzeitung des Masterplanes angekündigt wurde, recht wenig. Es ist mehr ein Blick in Richtung Rheintal.

Die im Zuge des Freischneidens dieser ersten Sichtachse gefällten Bäume sind besonders groß und stattlich gewesen. Es wurden besonders schöne Buchen in großer Zahl gefällt, die eigentlich hätten stehen bleiben können, denn diese Sichachse ist völlig unnötiger Weise geschaffen worden. In dieser Schneise hat man mit Abstand die meisten Bäume gefällt.

Der Grund für diese Aussage ist, dass die zweite Sichtachse (auf der Masterplankarte als: Blickrichtung Papenberg bezeichnet) einen fast identischen Blick ins Rheintal bietet.

In der Presse hat man direkt nach dem Baumfällen lesen können, dass diese nur einige Stunden dauernde Maßnahme ca. 30.000,00 € gekostet haben soll. Viele Bürger haben sich inzwischen gefragt, wodurch diese Summe entstanden ist? Zumal man die gefällten Bäume alle (vernünftigerweise) hat am Hang des Berges liegen lassen.

Sichtachse 2 mit der wirklich schönen Sicht ins Rheintal. Foto: Rüdiger Helmich

Sichtachse am Eltenberg 2.

Die zweite Sichtachse erreicht man, wenn man den Weg der "Burgpromenade" zwischen Kirche und Berghang weiter geht in Richtung "Paters Garten" verfolgt. Hier befindet sich an der Hangseite eine Aussichtsplattform mit einem Geländer und einer Bank.

Der Betrachter hat hier eine wirklich schöne Aussicht auf das Rheintal. Im Vordergrund ist auch noch die Bahnstrecke (demnächst "Betuwe Line") zu erkennen.

Diese wirklich schöne Aussicht hätte völlig ausgereicht, dem Betrachter den "Blick ins Rheintal" zu eröffnen. Man hätte also ohne weiteres die "Sichtachse 1" weglassen können, ohne dem Besucher irgend etwas vorzuenthalten. Einen Zuschauerandrang, der es erforderlich machen würde, zwei ähnliche Sichtachsen vorzuhalten, ist wohl eher nicht zu erwarten.

Hier hat man auch deutlich weniger Bäume fällen müssen (im Gegensatz zur Sichtachse 1), um die Sicht zu schaffen, die es erlaubt, sich einen Überblick über das Rheintal zu verschaffen. Auch kann man hier zu Recht von einer "historischen Sichtachse" sprechen. Im Gegensatz zur Sichtachse 1.

Dass an dieser Stelle bereits eine Plattform mit Geländer und Sitzgelegenheit existiert, machte es noch sinnvoller, gerade hier die beste Aussichtsmöglichkeit zu schaffen. Die Infrastruktur ist also bereits vorhanden und muss im Zuge des "Masterplanes Hochelten" nur noch ein wenig renoviert werden.

Der im Masterplan Hochelten angeführte Name "Papenberg" in Kleve ist der Ort, wo sich das sogenannte "Moritzgrab" an der Uedemer Straße befindet. Hier wurde im Jahre 1679 der Fürst "Johann Moritz von Nassau-Siegen" beigesetzt. Das Grab kann man von Elten aus natürlich nicht erkennen.

Die Sichtachse am Eltenberg 3 mit dem "Steintor". Foto: Rüdiger Helmich

Sichtachse am Eltenberg 3.

Die dritte Sichtachse wird erreicht, wenn man den Weg weiter in Richtung "Paters Garten" verfolgt; bis man an der zur rechten liegenden St. Vitus Kirche vorbei ist.

Dort befindet sich das sogenannte "Steintor", welches in seiner Mitte einen schmalen, vertikalen Spalt aufweist. Blickt man durch diesen Spalt in Richtung Kleve, so trifft der Blick auf den "kupfernen Knopf" in Kleve. Das geschieht ganz genau, wenn der Betrachter von dem steinernen Tor ein wenig zurücktritt in Richtung Kirche, bis zum "Stuhl der Fürstäbtissinen". Von dort trifft der Blick (am besten mit einem Fernglas bewaffnet) genau auf diesen "kupfernen Knopf". So genannt wird der große Obelisk oberhalb des Amphitheaters in der barocken Gartenanlage hinter dem "Prinz-Moritz-Kanal" an der Tiergartenstraße.

Jedermann in Emmerich und Elten hat und hatte Verständnis dafür, dass gerade diese Sichtachse wieder freigeschnitten und damit aktiviert wird. Warum man aber wegen diesem, auf ein ganz bestimmtes Ziel konzentrierten Blick, eine 20 m breite Schneise in den Hangwald geschlagen hat, erklärt sich dem Betrachter überhaupt nicht. Ein ganz schmaler Streifen wäre an dieser Stelle viel origineller gewesen. Nun sieht man vor allem die Ziegeleien auf der diesseitigen, rechten Rheinseite.

Fazit: Im "Masterplan Hochelten" wird in der dort aufgeführten Prioritätenliste die "Freistellung der Sichtachsen als Schlüsselprojekt" betitelt. Diese Reihenfolge wurde nun präzise eingehalten.

Jeder, der die Verhältnisse in Emmerich ein wenig kennt, weiß, daß man mit der Säge verdächtig schnell bei der Hand ist. Und das auch noch gründlich. Hier bei den drei Schneisen kann man das wieder bestätigt finden. Wenn man nur ein Drittel der jetzt gefällten Bäume "auf den Stock" gesetzt hätte, wäre das völlig ausreichend gewesen, um den gewünschten "Sichtachsen-Effekt", zu erreichen. So aber hat man, besonders in der Sichtachse 1, völlig unnötigerweise, die meisten, schönsten, wertvollsten und ältesten Bäume umgelegt. Man hat sich so verhalten, als wenn man von den Eigenschaften der Bäume keine Kenntnisse besitzt.