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Pappelallee in der Hetter

Gülle - Problematik

ARD: Umweltministerin will strengere Dünge-Regeln in Deutschland

Das Düngen mit Gülle belastet weiter zu stark das Grundwasser in Deutschland. Zu diesem Ergebnis kommt ein neuer Bericht, den Umweltministerin Hendricks vorgelegt hat. Die Ministerin will deshalb mit strengeren Regeln für die Landwirte gegensteuern. Im November hatte die EU-Kommission Deutschland bereits wegen zu hoher Nitratwerte verklagt.

WRD 5: Zu viel Dünger ist schädlich

Hören Sie dazu auch den Bericht des WDR 5 aus "Echo des Tages" vom 03.01.2017.  Die Audiodatei laden Sie hier herunter.

ZDF: Nitratbelastungen alarmierend

Die Zahlen zur Nitratbelastung in unserem Trinkwasser sind alarmierend. Knapp 200 Mrd.kg an Jauche und Gülle fallen in der BRD an. Das ist so viel wie in 64.000 Olympiaschwimmbecken passt. Unsere Felder können das nicht verkraften und so gelangt der krebserregende Stoff in das Grundwasser. Die EU Kommission hat Deutschland deswegen vor dem Europäischen Gerichtshof verklagt.

Moderne Gülletechnik im Einsatz auf dem Deichvorland. Foto: Rüdiger Helmich

Gülleskandal im Kreis Kleve!

Der Kreis Kleve, der flächenmäßig größte Landkreis in NRW, ist leider inzwischen berühmt berüchtigt wegen der Nitratverseuchung des Grundwassers. Grund dafür ist eindeutig die massenhafte Ausbringung von Gülle durch die Landwirtschaft.

Nicht zuletzt durch die Vermehrung der Giga-Kuhställe (1.000 Kühe in einem Stall sind keine Seltenheit) ist der Anfall von Gülle gigantisch. Das Ausbringen dieser Gülle auf Acker- und Wiesenflächen ist legal und die hier übliche Methode, um die Gülle los zu werden.

Nun darf aber pro ha. Fläche nur eine bestimmte Menge an Gülle ausgebracht werden, um eben zu verhindern, dass das Grundwasser über den erlaubten Anteil an Nitraten hinaus belastet wird.

Diese Werte hat man aber schon lange überschritten, ohne dass seitens der Obrigkeit dagegen ernsthaft eingeschritten wird. Ja, man erlaubt es sogar, dass noch zusätzlich Gülle aus den benachbarten Niederlanden ausgebracht wird. Die hiesigen Bauern erlauben gegen entsprechende Bezahlung, dass auf ihren Ländereien die importierte Gülle zusätzlich auch noch ausgebracht wird. Dies geschieht unter Zuhilfenahme von Tanklastwagen und modernsten Gülle-Verteilungs-Systemen.

Wie die Baumfreunde durch Erkundigungen bei der unteren Landschaftsbehörde beim Kreis Kleve in Erfahrung gebracht haben, werden die Güllemengen der einzelnen Bauern durch die Landwirtschaftskammer festgelegt. Diese Organisation ist nichts anderes als die "betroffenen Bauern" selbst.

Das bedeutet, die Verursacher dieses riesigen Umweltskandales kontrollieren sich selbst, und genehmigen sich selbst diese gefährlichen Übertretungen der gesetzlichen Vorschriften. Dieses Vertrauen der Behörden auf die freiwillige Einhaltung der Vorschriften durch die Bauern ist einfach nur naiv.

Als Abhilfe kann nur gelten, dass die Bauern nur soviel Tiere halten dürfen, wie sie auch Flächen zur Futterproduktion und Gülleentsorgung zur Verfügung haben. Das Füttern mit importiertem Futter, wie Soja-Mehl usw. verführt zu völlig ausufernden Viehbeständen.

Das schizophrene daran ist dann, dass die Milch anschließend so schlecht bezahlt wird, dass die Bauern noch nicht einmal ihre Selbstkosten erwirtschaften können.

Gegendarstellung der Kreisbauernschaft Kleve e.V. zum Artikel „Gülleskandal im Kreis Kleve!“

Sie behaupten, dass der Kreis Kleve berühmt berüchtigt sei wegen der Nitratverseuchung des Grundwassers. Grund hierfür sei die massenhafte Ausbringung von Gülle durch die Landwirtschaft. Die Grenzwerte seien dabei schon lange überschritten, ohne dass die Obrigkeit dagegen eingeschritten hätte. Zusätzlich soll erlaubt worden sein, weitere Gülle aus den benachbarten Niederlanden auszubringen. Außerdem würden die auszubringenden Güllemengen der einzelnen Bauern durch die Landwirtschaftskammer festgelegt, was nichts anderes bedeuten würde, als durch die betroffenen Bauern selbst. Somit würden die Verursacher sich selbst kontrollieren und genehmigen sich die Überschreitungen der gesetzlichen Vorschriften.

Diese Vorwürfe sind vollkommen haltlos und bedürfen einer Richtigstellung:

Die Vorgaben, welche betrieblichen Obergrenzen an tierischem Stickstoff (max. 170 kg N/ ha/ Jahr im Betriebsdurchschnitt) und zulässigen Saldenüberhänge an Stickstoff und Phosphor aus organischem und mineralischem Dünger (60 kg N/ ha im Mittel der 3 letzten Jahre bzw. 20 kg P/ ha im Mittel der letzten 6 Jahre) eingehalten werden müssen, ergeben sich aus der bundesweit geltenden Düngeverordnung in der zurzeit gültigen Fassung aus 2003. Momentan läuft eine Novelle der Düngeverordnung, die die geltenden Regelungen verschärfen wird.

Bis zum Düngejahr 2013/ 2014 konnten Landwirte in NRW einzelbetrieblich und nur auf Antrag auf intensiv genutztem Dauergrünland bzw. Ackergras bis zu 230 kg tierischem N/ ha ausbringen. Diese Ausnahmevorschrift besteht nun nicht mehr.

Die u. a. aus den Niederlanden importierten Dünger (Gülle, Gärrest, Hühnertrockenkot, Champignonsubstrat usw.) sind selbstverständlich bei den einzelbetrieblichen Obergrenzen mit einzubeziehen und werden nicht zusätzlich geduldet. Es gibt auch keine Erlaubnis, so wie Sie es behaupten, dass zusätzlich Gülle aus den benachbarten Niederlanden ausgebracht werden darf.

Die Landwirtschaftskammer NRW gibt lediglich als Beratungsorganisation ertrags- und kulturabhängige Düngeempfehlungen heraus. Die einzelbetrieblichen Güllemengen werden aber keineswegs von der Landwirtschaftskammer NRW festgelegt, sondern ergeben sich bei dem Anfall aus den festgelegten Standards in der Düngeverordnung und bei der Düngung nach dem Pflanzenbedarf unter Berücksichtigung der o. g. Obergrenzen.

Dabei ist jeder Betrieb mit mehr als 10 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche in Bewirtschaftung nach Düngeverordnung verpflichtet, jährlich einen Nährstoffvergleich auf Feld-Stall Basis zu erstellen. Dieser muss bis zum 31.03. des Folgejahres im Betrieb vorliegen.

Seit 2010 ist bundesweit die sog. Verbringungsverordnung dazugekommen, in der u. a. das Lieferscheinverfahren für die organischen Düngemittel geregelt ist. Falls ein Betrieb mehr als 200 t/ m³ im Jahr als Abgeber oder Abgeber und Aufnehmer in Verkehr bringt, sind obligatorisch Lieferscheine über diese Mengen mit Inhaltsstoffen zu erstellen.

Seit dem Jahre 2013 besteht zusätzlich laut Wirtschaftsdüngernachweisverordnung NRW die Pflicht, diese Lieferscheine jährlich in eine Datenbank zu melden.

Der Direktor der Landwirtschaftskammer als Landesbeauftragter ist die zuständige Behörde, die die Einhaltung der v. g. Gesetze und Verordnungen zu überprüfen hat. Diese ist personell vollkommen von der sonstigen Beratungstätigkeit der Landwirtschaftskammer NRW abgekoppelt. Nochmals, es handelt sich um eine staatliche Behörde mit dort angestellten Beamten. Die Landwirtschaftskammer NRW ist daher keineswegs eine Organisation von „betroffenen Bauern“ und kontrolliert sich daher auch nicht selbst und genehmigt sich erst recht nicht gesetzliche Übertretungen der Vorschriften.

Ich gebe Ihnen insofern Recht zu Ihrer abschließenden Aussage, dass die Milch schlecht bezahlt wird. Hier sollten wir gegebenenfalls gemeinsam ansetzen. Es bringt jedoch nichts, einseitig und mit falschen und vorgeschobenen Argumenten auf die Landwirte einzuschlagen, die sich in den letzten Jahren einer zunehmenden Bürokratisierung durch verschärfte gesetzliche Anforderungen gegenübergestellt sehen.

Weiterhin bitten wir im Namen der betroffenen Landwirte darum, die von Ihnen veröffentlichten Fotos zu dem Artikel wieder von Ihrer Homepage zu nehmen, da dies die dort abgebildeten Betriebe der Landwirte in Verbindung mit den von Ihnen vorgetragenen falschen Argumenten diffamiert. Dies haben die abgebildeten Betriebe keineswegs zu dulden. Da hier die Persönlichkeitsrechte der Betriebsinhaber verletzt sein könnten, sollten Sie die Fotos aus eigenem Interesse entfernen.

Kleve, den 09.03.2016

( Josef Peters )
- Kreisvorsitzender -

Gegendarstellung zur Gegendarstellung!

Der Kreisvorsitzende der Kreisbauernschaft im Kreis Kleve hält es lediglich für eine Behauptung, dass der Kreis Kleve berüchtigt sei wegen der Nitratverseuchung des Grundwassers. Laut einer Karte des Landesamtes für Natur- Umwelt- und Verbraucherschutz NRW vom 23.06.2014 wird speziell der Kreis Kleve auf der linken Rheinseite, was die Nitratbelastung angeht, in einem "schlechten Zustand gesehen". Auf einer Karte des "VSR Gewässerschutz" von 2012 werden Nitratgehalte von bis zu über 100 mg/L attestiert. Dabei sollte man wissen, dass die WHO (Welt-Gesundheits-Organisation) einen Höchstwert von max. 25 mg/L festgelegt hat und Brüssel einen solchen von max. 50 mg/L. Wenn nun hier im Kreis Kleve Werte von über dem 4 fachen des durch die WHO akzeptierten Wertes gemessen wurden, kann man mit Fug und Recht von einer Nitratverseuchung sprechen. Hier sind also europaweit geltende Grenzwerte überschritten worden, ohne dass dagegen seitens des Governments irgend etwas errfolgversprechendes unternommen wurde.

Als Verursacher dieses nicht akzeptablen Zustandes wird die Landwirtschaft gesehen. Im Bericht "Nitrat im Grundwasser" des Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz NRW vom 18.11.2014 wird unter anderem geschrieben: Zitat: "Das Grundwasser in weiten Teilen NRW s hat sich in den letzten Jahren deutlich verschlechtert. Der Bericht "Nitrat im Grundwasser" zeigt, dass in den landwirtschaftlich intensiv genutzten Gebieten im Norden und Westen von NRW die Nitratkonzentrationen seit über 20 Jahren gleichbleibend hoch oder steigend sind". Ende des Zitats.

Da helfen die Vorgaben seitens der Landwirtschaftskammer NRW , die der Herr Peters in seiner Gegendarstellung aufgeführt hat, offensichtlich gar nicht aus, um an dieser Misere irgend etwas in die richtige Richtung hin zu verändern. Ja, für die Landwirtschaftskammer Rheinland sind die Gülleimporte ein normaler Vorgang und eigentlich "Teil einer Kreislaufwirtschaft". Da wird gesagt: Zitat: "Getreide aus NRW wird in die Niederlande exportiert, um dort Schweine zu füttern und deren Exkremente kommen als Dünger zurück nach NRW". Ende des Zitats.

Bei einer solchen Denke kommen dem Leser natürlich Zweifel, ob dort überhaupt bekannt ist, um was für ein Problem es sich hier wirklich handelt. Nitrat ist hochgradig krebserregend und bei Säuglingen kann Nitrat zu "Blausucht" und zum Erstickungstod führen. Diesen Tatbestand gewissermaßen als "Kollateralschaden bei der Kreislaufwirtschaft" in Kauf zu nehmen, ist schon sehr eigenartig. Außerdem muss sich jeder darüber im Klaren sein, dass, wenn man ab sofort gar keine Gülle mehr ausbringen würde, sich die Nitrat-Werte im Grundwasser erst nach zwanzig bis dreißig Jahren deutlich vermindern würden. Die Erkenntnis daraus kann nur sein, ein "Weiterso" kann und darf es nicht geben.

Wenn Herr Peters schreibt, die Güllemengen aus den Niederlanden würden nicht zusätzlich aufgebracht, mag das ja stimmen, aber wenn man den Niederländern die Gülle nicht abnehmen würde, könnte das zur Entspannung der Situation hierzulande führen. Das Umweltministerium hat kürzlich die importierten Mengen an "Wirtschaftsdünger" aus den Niederlanden in den Kreis Kleve mit 239.085 t beziffert. Damit liegt der Kreis Kleve einsam an der Spitze im Regierungsbezirk Düsseldorf. Die Niederländer haben offensichtlich wesentlich striktere Obergrenzen und Kontrollen der Güllemengen und die Landwirte dort nutzen als Ventil einfach die Möglichkeit der Ausbringung ihrer Gülle hier bei uns.

Wenn man den Brief des Herrn Peters genau liest, gewinnt der Leser den Eindruck, dass die Kontrollen seitens der Landwirtschaftskammer (Der Direktor ist als Landesbeauftragter die zuständige Behörde) lediglich aus der Überprüfung der "gesammelten Lieferscheine der Landwirte" bestehen. Herr Peters schreibt: Zitat: "Die Landwirtschaftkammer NRW gibt lediglich als Beratungsorganisation ertrags- und kulturabhängige Düngeempfehlungen heraus". Ende des Zitats. Die Schlussfolgerung kann dann ja nur sein, dass die einzelnen Landwirte, was die Menge und Häufigkeit ihrer Gülleausbringungen in der Praxis angeht, gar nicht kontrolliert werden.

Wenn die Kammer "Düngeempfehlungen" heraus gibt, wäre es mal interessant zu erfahren, ob in den Empfehlungen auch das Prozedere der Gülleausbringung auf dem Deichvorland (auf den Wiesen zwischen Deich und Ufer) beschrieben ist. Darf dort, wie immer wieder zu beobachten ist, Gülle in großen Mengen ausgebracht werden, obwohl die Flächen in fast regelmäßigen Abständen durch Hochwässer gedüngt sind? Hier gibt es sicherlich keinen "Düngebedarf". Also werden die Rheinwiesen lediglich als willkommene "Entsorgungsfläche für Gülle" genutzt. Und dies mit dem Risiko, dass ein evtl. Ansteigen des Rheinpegels dazu führt, dass die soeben ausgebrachte Gülle in das Rheinwasser gelangt. Das würde die Funktion der sich rheinaufwärts befindlichen Klärwerke ad absurdum führen.

Herr Peters hat den Baumfreunden zugestimmt, dass die finanzielle Situation der Milchbauern völlig inakzeptabel ist. Die Milchpreise sind im Keller und lassen noch nicht eimal ein kostendeckendes Ergebnis zu.

Früher hatte ein Milchbauer ca. 100 Milchkühe, und hat davon leben können, wenn er auch sicherlich damit nicht reich geworden ist. Heute kann die bis zu zehnfache Menge an Tieren noch nicht einmal die Unkosten decken. Das ist doch ein Zustand, den niemand akzeptieren kann.

Der Herr Peters und seine Bauernkollegen können doch nicht nach dem Motto: "Die Masse muss es bringen" weiterhin den Empfehlungen der "sogenannten Experten" auf den Leim gehen. Größe war und ist kein Garant dafür, dass neben dem Umsatz auch der Gewinn ansteigt. Es werden Wahnsinnsinvestitionen getätigt, überzogene Milchkuhzahlen gehalten, viel zu große Güllemengen produziert und zu große Milchmengen erzeugt, die dann niemand (zu entsprechenden Preisen) haben will.

Dieses Problem kann sicherlich der einzelne Landwirt nicht lösen. Aber immer wieder nach staatlicher Hilfe rufen, wird auch keine Abhilfe schaffen. Die Bauern müssen gemeinsam mit den, hier so oft genannten Bauernverbänden, an einer Lösung arbeiten und diese dann auch durchsetzen. Alle Milchbauern können sicher sein, dass die Milch, auch wenn sie angemessen eingepreist sein wird, von den Verbrauchern weiterhin in gleichen Mengen gekauft werden wird. Der Tenor bei den Menschen ist: "Die Milch ist im Supermarkt viel zu billig. Ja sie ist oft noch viel billiger als Wasser. Das kann es doch nicht sein"! Auch darf der Zustand, der in anderen Branchen ebenfalls bekannt ist, dass der "Abnehmer" den Preis bestimmt, nicht so bleiben. Der "Verkäufer" muss festlegen können, wo der Preis anzusiedeln ist. Alles andere führt zur "Ausbeutung". Und da stecken die Milchbauern jetzt mitten drin. Immer größere Milchviehbestände aufzubauen ist eine Sackgasse.

Emmerich, 16.03.2016

Rüdiger Helmich, Sprecher der Baumfreunde Emmerich

Wirtschaftsdüngerimporte und chemischer Zustand der Grundwasserkörper