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Pappelallee in der Hetter

Kiesabbau

Foto: Rüdiger Helmich

Reizthema Kiesabbau am Niederrhein!

Da der Beton, als Hauptmaumaterial am Bau, in großen Mengen benötigt wird und am Niederrhein große Mengen an Sand und Kies lagern, sind schon seit vielen Jahrzehnten viele Firmen damit befasst, diesen Kies abzubauen und den Firmen zuzuführen, die daraus Betonerzeugnisse wie, Pflastersteine, Bausteine, Rohre, Betonfertigteile aller Art herstellen. Aber natürlich wird Beton vor allem in flüssiger Form dazu verwendet Fundamente und Betondecken der Häuser zu gießen. Jedermann kennt das. Beton ist zusammen mit Stahl unschlagbar, was die Stabilität angeht. Stahlbeton wird überall verwendet. Beim Hausbau, Brückenbau, Straßenbau, Industriebau,usw.

Inzwischen hat der Bedarf an Sand und Kies aber Formen angenommen, die den Bewohnern des Niederrheins Angst macht. Überall in der Landschaft links und rechts des Rheins befinden sich riesige Baggerseen, die mit Stacheldraht eingezäunt sind. Die Baggerseen, mit Wasser gefüllt, sind als Flächen landwirtschaftlich nicht mehr zu gebrauchen. Den Bauern gehen damit wertvolle und dringend benötigte Anbau- und Weideflächen verloren. Und betreten kann man sie natürlich auch nicht mehr.

Außerdem wird der Kies, da wo er in Jahrmillionen abgelagert wurde, ganz dringend zur Filterung unseres Grundwassers (das ist bekanntlich eben durch diese natürliche Filterung ein ausgesprochen hochwertiges Trinkwasser - unser aller Trinkwasser) benötigt. Liegt das Wasser in den großen Baggerseen offen an der Oberfläche, ist es völlig ungeschützt und es können Schadstoffe aller Art, auch durch die Luft, die Wasserqualität stark negativ beeinflussen.

Der Betrachter sieht aber nicht nur die Baggerseen, sondern auch die Kies-und Betonwerke, die unseren wertvollen Sand und Kies in riesigem Ausmaß verarbeiten.

Foto: Rüdiger Helmich

Automatisierte Sand- und Kiesförderung!

Der Kies wird durch die Kiesindustrie mit ihren großen Kies- und Betonwerken, die direkt auf die Kiesabgrabungsflächen errichtet werden, am Niederrhein mit großen Schwimm-Saugbaggern oder Eimerbaggern gefördert und direkt in die verschiedenen Körnungsklassen sortiert.

Die Abnehmer benötigen die verschiedenen Körnungen abhängig von den Produkten, die damit angefertigt werden sollen.

Die Bagger fördern, je nach Dicke der Schicht, den Sand und Kies aus bis zu einer Tiefe von ca. 30 m. Bevor mit dem eigentlichen Fördern des Kieses begonnen werden kann, wird der wertvolle Mutterboden abgeschoben. Dieser trägt dann logischerweise nicht mehr zur Produktion von Tier- und Planzenprodukten bei. Das Nachsehen haben die Landwirte und im Endeffekt wir alle.

Schaut man genau hin, beobachtet man auf so einem Kieswerk nur ganz wenige Arbeiter. Dort ist alles bis ins Detail automatisiert, so dass Handarbeit fast nicht mehr anfällt. Das heißt mit anderen Worten, dass sich die Anzahl der Arbeitsplätze, die von der Kiesindustrie bereitgestellt werden, in engen Grenzen hält.

Auffällig sind für jeden Betrachter die großen Mengen an Sand- und Kies, die dort auf großen Halden zwischengelagert werden. In manchen dieser Kieswerke wird auch direkt der Beton angemischt, der anschließen mit den LKW-Betonmühlen abtransportiert wird.

Foto: Rüdiger Helmich

Kiesexporte!

Das große Problem des Kiesabbaues hier am Niederrhen sind die riesigen Mengen, die der Landschaft entnommen werden. Da aber die Kiesvorkommen "endlich" sind, ist es für unsere Kinder und Enkel eine Katastrophe, wenn unsere jetzige Generation, auf Teufel komm heraus, nur des Profites wegen, einen gigantischen Raubbau betreibt.

Allein auf dem Wasserweg werden per Schiff in manchen Jahren täglich Kiesmengen in Richtung Niederlande und Belgien transportiert, für deren Transport man an Land über 7.000 LKW ( zu je 7,5t ) benötigen würde. Das ist eine Autoschlange, die von Emmerich bis nach Köln reicht.

Die Genehmigungsbehörden des Landes NRW, die dafür zuständig sind, wo und wieviel Kies abgebaut werden soll, bzw. darf, gehen einfach davon aus, dass die auszuweisenden Flächen den "Bedarf" von Jahrzehnten abdecken müssen.

Dabei ist völlig offen, wessen Bedarf hier überhaupt gemeint ist. Ist es der Weltbedarf? oder der europäische Bedarf? oder der deutsche Bedarf oder der "heimische Bedarf"?

Man geht einfach davon aus, dass der Bedarf die Menge ist, die in der Vergangenheit abgebaggert und verkauft worden ist. Das ist ein völlig inakzeptabler Zustand. Akzeptabel kann nur der "heimische Bedarf" sein. Eine solche Regelung besteht auch im uralten, sogenannten "Bergrecht", nach dessen Bestimmungen zum Teil auch das "Schürfen" von Kies und Sand heute noch behandelt wird.

Es geht nicht an, dass am Niederrhein wertvolle Weide- und Ackerflächen für immer vernichtet werden, dass die Qualität des Trinkwassers aufs Spiel gesetzt wird, nur damit einige wenige Unternehmer des Profites wegen den viel zu billigen niederrheinischen Kies in alle Welt verramschen.

Vollautomatischer Kiestransport zum Schiff. Arbeitskräfte nicht erforderlich. Foto Rüdiger Helmich

Argumente für den Kiesabbau!

Seitens der Kiesindustrie wird immer wieder auf die "großen Vorteile" für die "Niederrheiner" hingewiesen, die Ihnen durch den Kiesabbau zugute kommen. Leider gibt es auch immer wieder Politiker, die nichts besseres zu tun haben, als in das gleiche Horn zu blasen.

Das Schaffen von Arbeitsplätzen ist das "Totschlagargument Nr. 1" der Kiesindustrie, mit dem sie schon seit vielen Jahren hausieren geht. Es handelt sich dabei aber nur um eine "Halbwahrheit". Dass nämlich gleichzeitig Arbeitsplätze in der Landwirtschaft und der nachfolgenden Lebensmittelverarbeitung und beim Marketing der Lebensmittel Arbeitsplätze für immer vernichtet werden, wird mit konstanter Desinformation verschwiegen.

Es gibt Erhebungen, nach denen seit 1950 über 9.000 ha ausgekiest worden sind. Dabei gingen annähernd 200 Bauernhöfe verloren und damit ca. 800 Arbeitsplätze.

Das ist besonders erschreckend, weil es sich dabei um "dauerhafte Arbeitsplätze" ging und geht, wogegen die Arbeitsplätze, die von der Kiesindustrie geschaffen werden, spätesten nach den Ausgrabungen wieder wegfallen. Dann zieht nämlich "die Karawane" weiter und hinterlässt riesige Wasserseen, mit denen man nur recht wenig anfangen kann.

An dieser Stelle argumentiert wiederrum die Kiesindustrie, dass man an diesen "Seen" Freizeitangebote schaffen könne oder Naturbiotope entstehen könnten. Zum einen gibt es gar nicht soviel "Freizeit", als dass man all die vielen, bereits vorhandenen, unzugänglichen, meist mit Stacheldraht eingezäunten Seen, damit nutzen könnte.

Alle bis heute an den "Baggerseen" entstandenen Freizeitangebote sind mit öffentlichen Mitteln entstanden und außerdem in der Folge defizitär. Das ist also auf keinen Fall als das anzusehen, was die Kiesindustrie hier vorgibt.

Foto: Rüdiger Helmich

Kies als natürlicher Wasserfilter!

Jeder hat bereits in der Schule gelernt, dass wir unser Trinkwasser überwiegend aus dem Grundwasser beziehen. Hier am Niederrhein ist das aus den Brunnen gewonnene Trinkwasser so gut, dass man es ohne große Weiterbehandlung trinken kann.

Dieser riesengroße Vorteil ist aber keineswegs selbstverständlich. Andernorts muss man zum Teil in den Wasserwerken das Wasser erst in aufwändigen und teuren Verfahren "aufbereiten".

Der Grund für dieses "Naturgeschenk", sauberes Grundwasser, dass wir hier bekommen, ist in erster Linie dem Umstand zu verdanken, dass es durch die Kiesschichten, die wir hier am Niederrhein haben, gefiltert wird. Es fließt also in unterirdischen Strömen durch die durchlässigen Kiesablagerungen, wird gereinigt und bleibt in bester Qualität verfügbar.

Wird nun in dieses Geschehen durch den Kiesabbau eingegriffen, also der "Filter", der Kies, entfernt, findet natürlich keine Filterung mehr statt. Im Gegenteil. Das Wasser liegt nun an der Oberfläche und ist allen möglichen Gefährdungen durch Verschmutzungen ausgesetzt. Auch wenn es gelingt, Schadstoffe von diesen "Gewässern" fernzuhalten, ist es gar nicht zu vermeiden, dass über die Atmosphäre Schmutzeintragungen stattfinden.

Besonders gefährlich für unser Grundwasser sind natürlich Abgrabungen in den ausgewiesenen Trinkwassergebieten. Leider haben die zuständigen Behörden in Düsseldorf nicht vor, in diesen Gebieten Tabuzonen für den Kiesabbau einzurichten. Das kann man nur als extrem verantwortungslos bezeichnen.

Auch Abgrabungen in Rheinnähe sind extrem gefährlich. Bekanntlich findet zwischen den Grundwässern und dem Rheinwasser ein Austausch statt. Entfernt man den "Kiesfilter" in Ufernähe, kann sich das schmutzige Rheinwasser ungehindert mit dem Grundwasser vermischen. Besonders bei einem Hochwasser, bei dem auch die "Baggerseen" mit Rheinwasser in Berührung kommen und möglicherweise vollaufen, wird die Wasserqualität massiv negativ beeinflusst.

Foto: Rüdiger Helmich

Lebensmittel für alle oder Profit für wenige?

Wie allgemein bekannt ist, wird es immer problematischer, alle Menschen auf dieser Welt zu ernähren. Der Grund dafür ist einfach, dass es auf unserer Erde zu wenig Landflächen gibt, auf denen Landwirtschaft überhaupt möglich ist. Da sich durch den Klimawandel die Flächen noch verstärkt verringern werden, ist es umso wichtiger, die vorhandenen Flächen zu erhalten.

Aus diesem Grund ist es völlig unakzeptabel, wenn hier am Niederrhein unverdrossen durch die Kiesindustrie die allerbesten, niederrheinischen Weide- und Ackerflächen in Wasserflächen verwandelt werden. Dies ausschließlich, um einigen wenigen Leuten einen Profit zu ermöglichen.

Die hiesige Landwirtschaft beklagt schon seit langem den stetigen Verlust von Weide- und Ackerflächen. Einige Milchbauern haben ihre Tiere zum Teil schon evakuiert. Die Gründe dafür sind natürlich vielfältig. Neben dem Straßenbau, den Industrieansiedlungen in neuen Gewerbegebieten, dem Wohnungsbau auf der "grünen Wiese" ist es vor allem der Kiesabbau, der wertvolle, landwirtschaftlich sehr wertvolle Böden in Wasserflächen verwandelt.

Es ist bereits so, dass wegen dem Mangel an ausreichenden Flächen die Bauern ernorm hohe Grundstückspreise beim Kauf und auch enorm hohe Pachtzahlungen zu entrichten haben, wenn die Ackerflächen nicht gekauft werden. Dabei sind es nicht nur die zu kleinen Flächen für den Anbau von diversen landwirtschaftlichen Produkten, einschließlich des erforderlichen Tierfutters, welches von den Milchbauen für das Milchvieh benötigt wird, die den Bauern große Probleme bereiten.

Die Milchbauern klagen auch über zu kleine Flächen, die dringend benötigt werden, um die anfallende Gülle sachgerecht zu entsorgen. Schon heute sind die zur Verfügung stehenden Flächen dafür zu klein. Mit der Folge, dass die Flächen mit zu viel Gülle belastet werden. Das wiederum verursacht eine zu hohe Belastung unseres Grundwassers mit Nitraten. Bekanntlich ist inzwischen der Niederrhein berühmt berüchtigt für viel zu Hohe Nitratwerte im Grundwasser.

Es ist völlig verantwortungslos, das einfach so hinzunehmen. Das Grundwasser mit Nitraten verseucht ist ohne spezielle, aufwändige und teure Aufbereiung als Trinkwasser nicht mehr brauchbar. Die Kosten für eine solche "Behandlung des Trinkwassers" wird dann natürlich der Verbraucher, also wir, zu bezahlen haben.

Foto: Rüdiger Helmich

Kiesabbau kontra Natur!

Gerne wird durch die Kiesindustrie immer wieder der große Vorteil hervorgehoben, den die Natur durch das Entstehen von Baggerseen erfährt. Ja, man scheut nicht davor zurück, zu behaupten, die entstehenden Biotope seien wesentlich "wertvoller" als der Zustand, der vor der Abgrabung vorherrschte.

Wenn überhaupt, müsste dann aber jeder zurückbleibende Baggersee entsprechend umgetaltet werden. So müssten entsprechende Anpflanzungen, Schaffung von Flachwasserzonen und Inseln usw. durchgeführt werden. Die Vergangenheit hat aber bewiesen, dass sich die Kiesindustrie darauf beschränkt hat, die Baggerseen einzuzäunen, damit das Gelände nicht betreten werden kann, und einfachste Uferbepflanzungen zur Unsichtbarmachung des Stacheldrahtzaunes durchzuführen. Ein paar Gegenbeispiele gibt es auch, aber diese dienen mehr dem Vorzeigen einer heilen Welt für die Öffentlichkeit. Sie sind leider die große Ausnahme.

Dass es vor den Abgrabungen auf den Landflächen auch schon "Natur" gegeben hat, bleibt immer wieder unerwähnt. Alle Wildpflanzen, die hier existierten, erleiden einen Totalverlust. Die Insektenwelt verliert einen wertvollen Lebensraum. Auch die Vögel, wie Kiebitz, diverse Schnepfenvögel, Fasane, Rebhühner, Bussarde, Turmfalken, Dohlen, Krähen, Schwalben, Stare, Drosseln, Lerchen usw. werden durch den Verlust der Flächen benachteiligt. Selbst die diversen Gänse (Saat- Bless- Grau- Nil- Kanadagänse), obwohl mit Schwimmhäuten ausgestattet, verlieren wichtige Äsungsflächen. Diese können auf dem Wasser zwar schwimmen und zum Teil auch übernachten. Aber zu fressen finden sie dann dort nichts mehr.

Auch diverse Säugetiere, wie Hase, Maulwurf, Feldmaus, Hamster, Fuchs, Reh usw. gehen Lebensraum und Futterquellen verlustig.

Es ist also äußerst fragwürdig, zu behaupten, der Natur würde man einen Gefallen tun, wenn man anstelle von Landflächen Wasserflächen schafft.

Foto: Rüdiger Helmich

Der Kies-Euro!

Die immer wieder auftauchende Frage ist: Was muss geschehen, damit der Kiesabbau am Niederrhein eingeschränkt wird?

Zunächst muss der Kies teurer werden. Die Nachfrage lässt nun mal bei höheren Preisen nach. Das ist am Markt immer so. Wenn der Kies hier am Niederrhein für 2.00 € bis 9,00 € für eine Tonne (1.000 kg) "verramscht" wird, je nach Güteklasse, braucht man sich nicht wundern, wenn "alle Welt" sich hier bedient.

Im Koalitionsvertrag zwischen der SPD und den Grünen in Düsseldorf wurde die Einführung eines "KIES-EURO" vereinbart, der für jede geförderte Tonne Kies oder Sand durch die Kiesindustrie abgeführt werden soll. Dagegen haben sich die Lobbyisten der Kiesindustrie bisher aber erfolgreich gewehrt.

Dabei könnte mit diesem Geld etwas ausgesprochen Sinnvolles angestoßen werden. Durch das Recyceln von Abrissmaterial, vor allem von Beton, lässt sich der Verbrauch von Kies erheblich vermindern. Bisher werden aber die bereits bekannten Verfahren noch von Niemandem in großem Umfang eingesetzt. Mit diesen schon seit Jahren bekannten Recycling-Verfahren lassen sich sowohl der im Beton vorhandene Kies, als auch der Zement wiedergewinnen. Dabei ist die Qualität der beiden Komponenten genau so gut.

Das Geld aus der Einführung des "Kies-Euro" könnte dazu genutzt werden, so etwas in großem Stil einzuführen. Dies, ohne die Industrie und auch die öffentliche Hand über Gebühr zu belasten. Die Zeche wird im Endeffekt vom Endverbraucher des Kieses bezahlt, für den dadurch aber seine Baukosten nur minimal steigen würden.

Die Kiesindustrie behauptet zwar immer wieder, dass ein Recyclen bereits in großem Umfang stattfinde, es also gar kein Material mehr gebe, was man zusätzlich recyclen könne. Das ist aber falsch, denn dass was hier geschieht ist kein Recyceln, nach dem der Kies und Zement wiederverwendet. wird, sondern lediglich ein Zerkleinern in ein Schüttgut, was dann als minderwertiges Füllmaterial beim Straßenbau, usw. Verwendung findet.

Wer sonst, als die Kiesindustrie ist aufgerufen, sich endlich der berechtigten Kritik aus der Bevölkerung zu stellen und Wege zu beschreiten, mit denen die zu fördernden Kiesmengen drastisch gesenkt werden können. Hier liegt auch die Chance, den Abbau von Arbeitsplätzen bei der Kiesindustrie zu vermeiden, wenn es zu kleineren Mengen bei der Sand- und Kiesförderung kommt.