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Pappelallee in der Hetter

Betuweline - Elten

Foto: Rüdiger Helmich

Betuwe-Line: Was und Warum?

Weil die Hafenkapazitäten im größten Europäischen Überseehafen in Rotterdam, Niederlande, immer mehr ausgeweitet werden, müssen auch die Transportwege von und nach Rotterdam immer weiter ausbaut werden. Die Güter werden per Binnenschiff, LKW und per Eisenbahn transportiert. Zum größten Teil in Richtung Deutschland. Den Ausbau der Eisenbahnstrecke von Rotterbam bis Oberhausen in NRW nennt man die "Betuwe-Line".

Während die Betuwe-Line von Rotterdam bis zur Landesgrenze bei Zevenaar schon lange fertig gestellt ist, befindet man sich auf deutscher Seite immer noch in der Planungsphase. Die Niederländer haben eine reine Güterzugstrecke ganz neu geplant und gebaut, wogegen auf deutscher Seite lediglich ein drittes Gleis der bisher zweigleisigen Strecke hinzugefügt werden wird.

Das bedeutet, ab Landesgrenze wird der niederländische Personenverkehr der bisherigen Strecke und der Güterverkehr der neuen Strecke auf der deutschen Seite zusammengeführt. Das heißt unter anderem, dass der Gefahrengutverkehr, der auf niederländischer Seite auf einer den bestehenden Transportgefahren entsprechenden Strecke transportiert wird, während auf deutscher Seite beide Sparten, Personen-und Gütertransporte über ein- und dieselben Gleise rollen werden.

Als Fazit kann man zusammenfassen, dass der sehr hohe und eigentlich selbstverständliche Sicherheitsstandard, der den Anwohnern in den Niederlanden gewährt wird, den deutschen Anwohnern an der Eisenbahnstrecke vorenthalten bleibt.

Rathaus Emmerich am Rhein Foto: Rüdiger Helmich

Betuweline in Emmerich!

In Deutschland gibt es ein "Eisenbahn-Kreuzungs-Gesetz" nach dem es der Bahn nicht erlaubt ist, Eisenbahn-Neubau-Strecken zu erstellen und dabei die bisherigen "Bahnübergänge" weiter zu nutzen. Das bedeutet, durch den Neubau des dritten Gleises der "Betuwe-Strecke" müssen alle mit Schranken gesicherten "Straßen-Bahn-Kreuzungen" durch kreuzungsfreie Lösungen ersetzt werden.

Es müssen also viele Bahnüber- oder Unterführungen gebaut werden. Das ist natürlich ein sehr teures Unterfangen, so dass mit den betroffenen Kommunen in langen Verhandlungen geklärt werden muss, welche Übergänge gar nicht mehr erhalten werden, wo man mehrere Übergänge durch ein Brückenbauwerk ersetzen kann und ob man die Gleisstrecke mit einer Unter- oder Überfürung queren sollte.

Genau solche Überlegungen hat man natürlich auch in Emmerich, mit einer Streckenlänge von Praest im Süden Emmerichs bis in den Norden in Elten, anstellen müssen.

Nach eben diesem "Eisenbahn-Kreuzungs-Gesetz" müssen die Kommunen sich mit 25 bis 30 % der Baukosten beteiligen. Da aber eine solche, finanzielle Belastung die Kommune Emmerich völlig überforden und zwangsläufig in den Ruin treiben würde, gibt es die Zusage durch das Land NRW, dass eben dieser Kostenanteil vom Land übernommen wird.

Das ist aber an die Bedingung geknüpft, dass es einen Konsens zwischen der Bahn auf der einen Seite und der Stadt Emmerich auf der anderen Seite darüber geben muss, wo und wie die einzelnen Bauwerke erstellt werden sollen.

Nun hat man im Emmericher Rathaus sofort nach in Aussichtstellung der Übernahme des kommunalen Baukostenanteils durch das Land NRW erklärt, dass man sich mit der Bahn in einem Konsens befindet. Das, obwohl sich niemand von den Entscheidungsträgern sachkundig über das gemacht hat, was die Bahn zum Beispiel im Abschnitt 3,5 Elten vorhat.

Man hat einfach in Anbetracht der großen finanziellen Unterstützung aus Düsseldorf bekundet, wenn wir von den großen Kosten entbunden werden, könnt ihr, die Bahn, bauen, wie ihr wollt.

Foto: Rüdiger Helmich

Die Bergfußvariante der Bahn!

Die Verwirklichung der Bauarbeiten an der Betuweline im Teilbereich 3.5 im Ortsteil Elten hat sich als besonders konfliktreich erwiesen.

Die Bahn und auch Straßen NRW, als mitverantwortliche Behörde planen bei der Maßnahme "Aufhebung des Bahnüberganges Emmericher Straße" eine Verlegung der bisherigen Bundesstraße 8 im Bereich des Eltenberges, indem die Straße einschließlich Radweg auf der Bergseite neben den bisherigen Gleisen in den Berg hineingebaut wird. Das bedeutet, dass die B 8 nicht mehr erst durch das Viadukt die Bahnstrecke kreuzen muss um wenig später am Bahnübergang wieder auf die bisherige Seite zurückgeführt zu werden. Inzwischen hat sich diese Variante als "Bergvariante" herauskristallisiert.

Diese Absicht ist grundsätzlich so zu begrüßen. Aber die Art und Weise, wie das geschehen soll, ist schlicht und einfach eine einzige Katastrophe.

Da zwischen den bisherigen Gleisen und der steilen Flanke der Eltenberges kein ausreichender Platz zum Bau einer Bundes, bzw. Landstraße (die B 8 wird in die L 7 umgewidmet) vorhanden ist, plant man den Berg auf einer Länge von ca. 750 m an seiner steilsten Flanke abzubaggern. Das kann natürlich nur geschehen, wenn vorher der dort großflächig vorhandene Wald gerodet und nachher die Bergflanke mit bis zu 12 m hohen Betonwänden gesichert wird, um ein Abrutschen der Bergflanke zu verhindern. Das entspricht der Höhe eines 5 stöckigen Hauses.

Die Aussicht, dass den Eltener Bürgern ihr geliebter Berg derartig verunstaltet werden soll, hat zu einer riesigen Protestwelle geführt. Über 5.000 Unterschriften von empörten Mitbürgern wurden gesammelt um mit Nachdruck darauf hinzuweisen, dass diese, geplante Maßnahme auf gar keinen Fall akzeptabel ist. Auch aus Sicht des Tourismus ist es überhaupt nicht zu vermitteln, dass dieses weitbekannte "Naturmonument" derartig verschandelt werden soll.

In Anbetracht dessen, dass der Ort Elten ca. 4.750 Einwohner hat, kann davon ausgegangen werden, dass fast alle Eltener auf gar keinen Fall die Bahnpläne gutheißen. Es sind auch viele Emmericher und Niederländer aus der Nachbarschaft strikt gegen diese Maßnahme.

Das "Viadukt" der B 8 in Elten. Foto: Rüdiger Helmich

Die Gleisbettvariante des Joh. ten Brink!

Nun gibt es schon von Anfang an eine Planungs-Variante des pensionierten Bahnbau-Ingenieurs Johannes ten Brink aus Emmerich, die inzwischen so genannte "Gleisbettvariante".

Auch diese Variante sieht vor, dass die Bundes- Landstraße an der Bergseite, zwischen den Gleisen und der Bergflanke entlang geführt wird.

Aber nicht, indem man den dafür erforderlichen Platz aus der Bergflanke herausbaggert, sondern indem die beiden vorhandenen Bahngleise vom Berg weg verlegt werden. Auf dieses, bisherige, "Gleisbett" wird dann die Straße einschließlich Radweg gebaut.

Da ja das zusätzliche 3.Gleis sowieso gebaut werden muss, sind die zusätzlichen Gleisbaumaßnahmen durchaus überschau- und auch finanzierbar. Schließlich werden ja die immensen Kosten für das Abgraben der Bergflanke, das sichern derselben, das Roden des Waldes und die dafür fälligen Ausgleichmaßnahmen eingespart. An dieser Stelle bleibt bei der "Gleisbettvariante" des Johs. ten Brink alles beim alten. Das bedeutet auch, dass die großen Befürchtungen der Eltener, ihren Berg betreffend, ausgeräumt wären.

Außerdem kann man die Straße am Berg entlang mit einem sehr geringen Gefälle errichten, wogegen bei der "Bergvariante" der Bahn ein für Rad-und vor allem Rollstuhlfahrer schon grenzwertiges Gefälle in Kauf genommen werden muss.

Der für den Bau der 3 Gleise erforderliche Platz zwischen dem Berg und der "Wild" (ein sich dort befindliches Fließgewässer) ist bereits vorhanden. Genau dort verlief nämlich vor dem letzten Krieg die sogenannte "Trajektbahn-Linie" (eine Bahnverbindung zwischen Kleve und Arnheim). Dieses Gelände ist bereits Eigentum der Bahn und kann also ohne große Umstände in die Planungen mit einbezogen werden.

Zusätzlich sehen die Planungen bei der "Gleisbettvariante" eine Entschärfung der Situation bei dem zu erhaltenden Viadukt vor, welches ja nach wie vor benötigt wird, um nach Spijk zu gelangen. Bei den Planungen von Bahn und Straßen NRW ist der Erhalt dieser "Situation" am Viadukt vorgesehen. Ja, man will sogar die Tiefe des "Viaduktes" noch um die Breite des noch zu bauenden 3. Gleises vergrößern. Das ist ein völlig inakzeptables Vorhaben, denn schließlich wurde dieses Bauwerk vor ca. 150 Jahren für die damalligen Verkehrsbedürfnisse konzipiert. Stichwort: Pferdefuhrwerke.

Foto: Rüdiger Helmich

Aufhebung von 4 Bahnübergängen!

Da es beim Abschnitt 3.5 in Elten gilt, 4 Bahnübergänge aufzuheben, muß man natürlich neben der Verlegung der Straße an der Emmericher Straße noch ein Brückenbauwerk errichten. Aufgehoben werden die Bahnübergänge Emmericher Straße, Sonderwykstraße, Lobither Straße und Hagsche Straße.

Dieses Bauwerk soll in der Nähe des heutigen Bahnüberganges "Lobither Straße" entstehen. Die Planungen des Johs. ten Brink sehen vor, dieses Bauwerk, ein Unterführungsbauwerk, mit dem von der Bahn vorgesehenen, zukünftigen, "Haltepunkt Elten" zu kombinieren. Der Standort ist zwischen den jetzigen Bahnübergängen Lobither Straße und Sonderwykstraße geplant. Das macht Sinn, denn das ist genau auf der Höhe der Ortsmitte von Elten. Dies, zumal an dieser Stelle auch die benötigten Grundstücksflächen zur Verfügung stehen.

Die Bahn hat mit ihren Planungen bis vor kurzem den Haltepunkt Elten noch gar nicht auf dem Schirm gehabt. Sie will jedenfalls die Querung der Bahn zwischen der Lobither Straße und der Hagschen Straße vornehmen. Das ist weit weg von der Ortsmitte und damit äußerst ungünstig für einen Bahn-Haltepunkt.

Mit diesem Vorhaben stösst sie wieder auf den großen Widerstend der Eltener. Um die Lobither Straße an die jetzige B 8 (Zevenaarer Straße) anzuschließen, will sie die Verbindungsstraße genau über die sich jetzt dort befindlichen Fußball und Tennisplätze verlegen. Das bedeutet, da nicht nur die Flächen verlustig gehen, sondern auch die dazugehörigen Vereinsheime von Fortuna Elten und den Sportfreunden Elten, dass für beide Vereine ein entsprechender Ersatz in Elten gefunden und natürlich auch finanziert werden müsste. Da handelt es sich um mindestens 3 Mio Euro, die von den Vereinen bzw. von der Stadt Emmerich zu schultern wären. Damit gibt sich kein Eltener zufrieden.

Links das alte Trajektbahn-Gleisbett an der Lobither Straße. Foto: Rüdiger Helmich

Altes Gleisbett der Trajektbahn!

Natürlich muss bei der "Gleisbettvariante" des Johs. ten Brink die Lobither Straße auch wieder an die B 8 (Zevenaarer Straße) angeschlossen werden. Dies geschieht aber, ohne die Sportplätze zu tangieren.

Da das Querungsbrückenwerk einschließlich des Haltepunktes Elten ja direkt in der Nähe der Ortsmitte entsteht, soll natürlich der Verkehr von und nach Lobith nicht durch den Ort Elten fließen, wie es jetzt der Fall ist.

Das Verlegen der beiden jetzt bestehenden Gleise, mit der an der Bergflanke schon begonnen wurde, wird weiter durchgezogen in Richtung Zevenaar. Das ist völlig unproblematisch, weil das alte Gleisbett der ehemaligen Trajektbahn Kleve - Arnheim auch hier zur Verfügung steht. Bis kurz vor der Hagschen Straße wird auf das Gleisbett ein Bahnseitenweg gebaut, der dann in Richtung B 8 / L 7 abschwenkt, wo der Weg dann an einen Verkehrskreisel angeschlossen wird. Für diesen Kreisel gibt es an dieser Stelle ausreichend unbebaute Fläche.

Damit bleiben die Sportplätze verschont und der Kreisel wird im Gegensatz zu dem von der Bahn geplanten Anschlußkreisel nicht auf bewohnter Grundfläche errichtet. Ganz im Sinne der dort wohnenden Eltener. Außerdem bleiben die Parkplätze der Feuerwehr und die dort stehenden, Jahrhunderte alten Eichen erhalten.

Da diese "Gleisbettvariante" des Johannes ten Brink in allen Punkten wie Kosten, Naturverträglichkeit, Akzeptanz der Bevölkerung, Verkehrsaufkommen durch den Ort Elten, Lärmbelästigung, Schadstoffemissionen, Störungen des Bahn- und Straßenbetriebes während der Bauphase, usw. nur Vorteile bringt, würde sicherlich kein einziger, darüber informierter Bürger nachvollziehen können, wenn trotzdem die in allen Punkten schlechtere "Bergfuß-Variante" den Vorzug erhielte.