Homepage der Baumfreunde Emmerich
Pappelallee in der Hetter

Pappeln

Foto: Rüdiger Helmich

Pappeln und der Niederrhein!

Pappelreihen und Pappelalleen prägten zusammen mit den Kopfweiden das typische Landschaftsbild des Niederrheins. Gemeint sind hier vor und vor allem nach dem 2. Weltkrieg viel gepflanzten Hybridpappeln. Ihre bis 40 Meter hohen Silouhetten setzen Akzente in der weiträumigen Ebene, lassen die Landschaft malerisch erscheinen, sind ein Motiv für Maler und Fotografen. Pappeln am Niederrhein sind gut für den Tourismus, in vielen Werbebroschüren über die Region werden immer wieder die Pappeln erwähnt.

Aber: In den letzten Jahren wurden immer mehr Pappeln gefällt, Tausende sind bis jetzt verschwunden. Viele Menschen hier bedauern das Verschwinden der Pappeln und erheben Protest. Die wenigen noch vorhanden Alleen und Pappelreihen sollen ihrer Meinung nach stehen bleiben, damit die Pappeln am Niederrhein nicht ganz verschwinden.Eine Bürgerinitiative hat sich gegründet, die für den Erhalt der Pappeln eintritt, die Pappelfreunde, die vor allem vom Viersener Ludwig Mertens und der Reeser Künstlerin Roswitha Lohmann repräsentiert werden. https://pappeln.wordpress.com/

Foto: Rüdiger Helmich

Alterung der Pappeln, forstliche Nutzung von Pappelreihen:

Pappeln wachsen sehr schnell und erreichen ein Höchstalter von 150 Jahren, in Einzelfällen etwas mehr. Wegen des schnellen und geraden Wachstums sind Pappeln forstwirtschaftlich interessant. Pappelreihen gelten auch als forstlich genutzte Flächen, während Pappelalleen als landschaftsprägende Elemente wohl dem Landschaftsschutzgesetz unterliegen Aus forstwirtschaftlicher Sicht ist der Einschlag ab einem Alter von 50 bis zu einem Höchstalter von 80 Jahren sinnvoll, weil Bäume und Holz in diesem Alter noch voll vital sind und schon eine erhebliche Menge Holz herangewachsen ist. Ab einem Alter von 60 - 80 Jahren setzt ein Alterungsprozess bei den Bäumen ein, sie neigen dann zu Grünholzabbruch. Auch Stammdurchbrüche können vorkommen und die Qualität des Holzes wird schlechter. Wenn die meisten Pappelreihen, die ja jetzt dieses Alter haben, gefällt worden sind, so ist das von uns teilweise durchaus nachzuvollziehen, da es aus forstwirtschaftlicher Sicht richtig und konsequent ist, so zu verfahren. "Bei einem Großteil ist das(das Fällen) bereits erfolgt, so dass sich jetzt mit jedem Pappeleinschlag das gewohnte Landschaftsbild zusehends ändert. Das ist traurig. Es werden aber auch die verbliebenen Pappelreihen weiter dezimiert werden (müssen)...Zitat: Walter Ahrendt (s.u.).

Standpunkt der Baumfreunde zum Erhalt älterer Pappeln:

Es ist schon richtig, dass die verbliebenen Pappeln irgendwann einmal gefällt werden müssen.Es ist nur die Frage, wann dies geschehen sollte. Es ist aus der Sicht der Landschaftspflege erstrebenswert, die wenigen noch vorhandenen schönen, alten Pappelreihen in Emmerich und anderswo am Niederrhein so lange wie es irgend geht zu erhalten , wenn die Bäume noch vital sind und keine Alterungserscheinungen zeigen. Das forstwirtschaftliche Argument für einen schnellen Einschlag sollte nicht im Vordergrund stehen. Die Vitalität der Bäume müsste dann wohl in Abständen kontrolliert werden. Das sollte am besten im Winter geschehen, um den Zustand der Baumkronen besser erkennen zu können. Zeigen sich keine bis sehr wenige Astabbrüche, ist der Baum noch vital.

Neupflanzung von Pappeln:

Es verwundert, dass sehr wenig Pappeln nachgepflanzt wurden. Das finden wir bedenklich, und möchten die Stadt Emmerich am Rhein und andere Gemeinden dazu anregen, wieder mehr Pappeln anzupflanzen. 2015 ist in Emmerich an der Budberger Straße nach Fällung einer Pappelreihe eine neue Allee gepflanzt worden. Außerdem wurden auch an der Dürkolfstraße vor einigen Jahren Pappeln gepflanzt, die sich sehr gut entwickeln. Der Vorteil von Pappelpflanzungen in unserer Landschaft ist, dass diese Bäume so schnell wachsen, dass bereits die nachfolgende Generation sich an den imposanten Baumgestalten erfreuen kann.

Stement von Diplom-Biologe Walter Ahrendt (Naturschutzzentrum des Kreises Kleve in Rees-Bienen):

"Wenn wir Pappelreihen als Element der niederrheinischen Landschaft langfristig erhalten wollen, kommen wir nicht umhin, neue Hybridpappelreihen zu pflanzen..."

Hein Driessen vor der Hans-Dieter Hüsch Weide mit einem Pappelbild Foto Rüdiger Helmich

Pappelstory von Hein Driessen

Zum Thema Pappeln am Niederrhein konnte unser Baumfreund, Hein Driessen [ www.hein-driessen.de ], bekannt als "Der Landschaftsmaler vom Niederrhein", einen Beitrag leisten zu der Frage: "Warum gibt, bzw. gab es am Niederrhein so viele Pappelreihen?"

Es war Usus am gesamten Niederrhein, dass die Bauern, wenn in der Familie eine Tochter geboren wurde, nach der Geburt eine Pappelreihe gepflanzt haben. Diese Pappeln ließ man so lange wachsen, bis die Heirat der nun erwachsenen Tochter bevorstand. Diese bekam nun als "Mitgift" von den Eltern eben diese Pappelreihe geschenkt.

Da die Pappel eine schnell wachsende Baumart ist, waren die Bäume schon recht groß und dick, so dass man sie schon als "schlagreif" bezeichnete. Mit dem Verkauf des Holzes konnte die "Braut" einen erklecklichen Geldbetrag ihr eigen nennen.

Genau den gleichen Brauch kennt man auch in China. Auch dort werden bei der Geburt Bäume gepflanzt, die nach der Heirat der Braut gehören. Aber ob es sich in China um Pappeln handelt, ist wohl eher fraglich. Auf jeden Fall werden diese Bäume "Tochter-Bäume" genannt.

Auch in Arabien (z.B. im Oman) kennt man den Brauch, dass für jedes geborene Kind eine Dattelpalme gepflanzt und kultiviert wird, damit sie dem später mal erwachsenen Kind durch eine reichhaltige Ernte an Datteln den Lebensunterhalt erleichtert. Hier wird der Baum im Falle des Falles natürlich nicht gefällt.